Neue Wanderausstellung des Staatlichen Literaturmuseums Moskau: „Zwölf. Russische Schriftsteller im Jahr 1917“

23. März 2017 - 02. Mai 2017

Neue Wanderausstellung des Staatlichen Literaturmuseums Moskau: „Zwölf. Russische Schriftsteller im Jahr 1917“

Двенадцать. Русские писатели 1917г. Двенадцать. Русские писатели 1917г.

Ausstellungseröffnung 23. März. 18:30,
Ausstellung 6, 2. Ebene
Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur
Friedrichstraße 176-179, 10117 Berlin

Im Jahr 2017 jähren sich die Februarrevolution und Oktoberrevolution in Russland zum 100. Mal. Die revolutionären Ereignisse führten zu einem grundlegenden Systemwechsel, der das gesamte 20. Jahrhundert prägte und zu neuen kulturgeschichtlichen Existenzformen führte. Vor allem betraf dieser Aufbruch die russische Literatur.

Двенадцать. Русские писатели 1917г.

„Anerkennen oder nicht anerkennen? Diese Frage existierte für mich (und die übrigen Moskauer Futuristen) nicht. Das war meine Revolution. Ging ins Smolny. Arbeitete. Überall, wo es not tat. Beginn meiner Sitzungstätigkeit.“ Diese Sätze aus Majakowskis Autobiographie belegen, was der Oktober 1917 für ihn bedeutete. Jetzt wurde möglich, worauf er von Anfang an hingearbeitet hatte - der Zusammenschluss von Kunst und Leben. Die Oktoberrevolution war die umfassende Antwort auch auf Majakowskis persönliche Fragen. Sein Freund Viktor Schklowski schrieb später: „Majakowskii ging in die Revolution wie in ein Haus, das ihm gehörte.“ Die Revolution, die Wende der Zeiten, war für diesen Dichter wie auch für viele andere zugleich die Voraussetzung erneuerter künstlerischer Existenz.

Двенадцать. Русские писатели 1917г.

Die Wanderausstellung des Staatlichen Literaturmuseums „Zwölf. Literatur und Revolutionen 1917“, die in ihrer Bezeichnung den Namen des berühmten Poems Alexander Bloks „ Die Zwölf“ (1918) trägt, reflektiert über die Russische Revolution durch Schicksale der 12 russischen Literaten, die diese widersprüchliche Epoche und deren Umwälzungen in ihren Werken widerspiegelten.

Unsere Kinder und Enkel werden nicht einmal imstande sein, sich jenes Russland vorzustellen, in dem wir einstmals (also gestern) lebten, das wir nicht zu schätzen wussten, nicht verstanden - diese ganze Macht, die Vielschichtigkeit, den Reichtum, das Glück…"- schrieb einst der Nobelpreisträger Iwan Bunin in sein Revolutionstagebuch „Verfluchte Tage".

Die Lyrikerin Marina Zwetajewa erlebte die Oktoberrevolution aus erster Hand. In der Eisenbahn begegnete sie einfachen Menschen und war von der wütenden und gewaltsamen Stimmung schockiert. In ihrem Tagebuch schrieb sie: „ In der Luft des Zugabteils hingen nur drei scharfe Worte: Bourgeois, Junker, Blutsauger".

Gezeigt werden zirka 150 Exponate aus den Beständen des Staatlichen Literaturmuseums: Grafiken, Plakate, Schriften und sonstige Dokumente aus dem Leben und Werk der 12 bedeutenden russischen Autoren.

Двенадцать. Русские писатели 1917г.

Wladimir Majakowskij und Alexander Blok akzeptierten die Februar - sowie die Oktoberrevolution. Alexei Remisow, Iwan Bunin, Zinaida Gippius, Maxim Gorki, Alexander Vertinskij und Alexei Tolstoi begegneten begeistert der Februarrevolution, wurden dennoch von der Großen Oktoberrevolution enttäuscht und verließen das sowjetische Russland. Alexei Tolstoi, Maxim Gorki wie Alexander Vertinskij kehrten später aus der Emigration zurück und versuchten, Berührungspunkte mit dem neuen Staat zu finden. Zinaida Gippius und Iwan Bunin blieben bis zuletzt die Gegner des sowjetischen Regimes im Vergleich zu Alexei Remisow, der ernsthaft über die Rückkehr nachdachte. Marina Zwetajewa folgte ihrem Mann, Offizier der Freiwilligenarmee, ins Ausland und widmete der Weißen Bewegung den poetischen Gedichtezyklus „Schwanenlager". Maximilian Woloschin versteckte sich vor den revolutionären Erschütterungen auf der Krim. In Koktebel rettete er in seinem berühmten Haus mal die Weißen, mal die Roten. Der Anführer der Symbolisten, Dichter Walerij Brjussow wurde zum Mitglied der Kommunistischen Partei. Demjan Bednyj galt lange Zeit als populärer sowjetischer Dichter, wurde jedoch später kritisiert und aus der Partei ausgestoßen. Der Dramatiker, Übersetzer und Literaturkritiker Anatolij Lunatscharskij wurde zum ersten Volkskommissar für Bildung in der sowjetischen Regierung ernannt.

Aus dem Tagebuch Alexander Bloks:

3. Januar 1918: Auf den Straßen Plakate. Am 5. Januar auf die Straßen. (Sich erschießen lassen?) Am Abend Gewitter. (Treuer Gefährte von Umstürzen!)

4. Januar 1918: Morgen wird etwas geschehen!

5. Januar 1918: Ein Flugzeug fliegt, obgleich wir starken Frost haben. (Bomben oder eine Proklamation?) Den ganzen Tag und Abend bin ich traurig gestimmt, ich ärgere und verkrieche mich. Irgendwo wird geschossen; mir kommt es zumindest so vor, ich weiß nicht, wer und was, es interessiert mich auch nicht.

6. Januar 1918: Intelligenz und Revolution. Abends ein schreckliches Gewitter. Unbestätigte Nachrichten, angeblich wurde um fünf Uhr früh die Gesetzgebende Versammlung auseinandergejagt. Es denkt sich gut, den ganzen Tag strömen mir Ideen zu…


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